Listenverbindungen sind bei nationalen Wahlen der letzte Schrei. Besser gesagt, es gibt ein zünftiges Geschrei darum. Am Sonntag konnte man lesen, dass die SVP der FDP mit einer Konkurrenz-Kandidatur bei den Ständeratswahlen droht, wenn es zu keiner Listenverbindung kommt. Der Beschissene ist am Ende der Wähler. Deshalb sollte man Listenverbindungen abschaffen.

 

Zu Zeit vergeht kaum ein Tag, ohne dass man lesen oder hören muss, wer mit wem eine Listenverbindung macht, machen soll oder eben nicht. Der Klassiker dabei ist das Gezänk der SVP mit der FDP um solche Verbindungen. Die SVP will sie ums verrecken, die FDP ist gespalten diesbezüglich. Höhepunkt dieser Ränkespiele war die Aussage von Heinz Brand in der Schweiz am Sonntag. Sollte die FDP keine Listenverbindung mit der SVP eingehen, dann werde die SVP gegen Martin Schmid (FDP) im Ständeratswahlkampf antreten, stellte Brand in Aussicht. Bei solchen Aussagen fühle ich mich als FDP Mitglied ziemlich provoziert und erpresst. Entweder will die SVP in den Ständerat für Graubünden oder sie lässt es bleiben. Das von einer Listenverbindung abhängig zu machen, ist ziemlich extravagant.

 

Sind Listenverbindungen erpressbar?

Von mir aus kann man die ganzen Listenverbindungen abschaffen und zwar je schneller, je besser. Sie sind ein Unding, die Wahlresultate verfälschen und Ergebnisse erzielen, die der Wähler so gar nicht will. Erinnern wir uns an die Wahlen von vier Jahren. Da sind die FDP und die SVP keine Listenverbindung eingegangen, die SP und die Grünliberalen aber schon. Prompt hat Josias Gasser für die Grünliberalen den Sitz der FDP erobert. Hätte die FDP den Packt mit der SVP gemacht, wäre das Mandat bei den Freisinnigen geblieben. Das war jetzt noch ein harmloses Beispiel. Tatsache ist, dass diverse Verschiebungen in den Blöcken nur durch Listenverbindungen zu Stande gekommen sind. Zum Teil waren wenige Stimmen ausschlaggebend für den Verlust oder den Gewinn eines Sitzes. Die Grünliberalen konnte bei den Wahlen 2011 von den Listenverbindungen profitieren, die Grünen hatten das Nachsehen. Das kann in diesem Jahr postwendend wieder auf die andere Seite kippen.

Der Gelackmeierte ist am Ende der Wähler. Er weiss nämlich nie, wem er am Schluss die Stimme gegeben hat. Alleine das Proporzsystem ist kompliziert genug. Auch noch den Überblick zu haben, wer nun mit wem eine Listenverbindung abgemacht hat, ist beinahe unmöglich. Abgesehen davon habe ich keine Möglichkeit als Wähler das zu beeinflussen. Wenn ich als Freisinniger meine Partei konsequent unterstützen will, dann nehme ich z.B. die Liste 8 und werfe sie ein. Bei einer Listenverbindung mit der SVP kann es aber sein, dass prompt Frau Martullo gewählt wird, und das will ich nicht.

 

Wenn sich jeder mit jedem verbindet

Man kann das Theater mit den Listenverbindungen auf die Spitze treiben. Alle Jungparteien machen untereinander ein Päckchen. Dann machen alle Frauenabteilungen der Parteien ebenfalls eine Liste und verbinden sich freudig. Oder noch besser: jede Ortspartei der FDP macht eine Nationalratsliste und alle verbinden sich dann untereinander. Oder wie wäre es, wenn alle Katholiken (oder Protestanten) untereinander gemeinsame Sache machen. Ok, jetzt übertreibe ich.

Listenverbindungen machen alles kompliziert, sorgen für böses Blut, sind nicht im Sinne des Wählers und können den Wählerwillen verfälschen. Ich bin klar der Meinung, dass man Listenverbindungen abschaffen kann. Es soll der politische Inhalt und die Persönlichkeit der Kandidierenden über Erfolg und Niederlage entscheiden und nicht unheilige Allianzen die irgendwelche politische Blöcke zementieren sollen. Ich will auch eine starke bürgerliche Vertretung von Graubünden in Bern, aber nicht um jeden Preis und nicht nur aus wahltaktischen Gründen mit einem Partner, der dir spätestens am Tag nach der Wahl wieder an „schpärzt“.

Übrigens hat das SRF einen sehr interessanten Beitrag zu diesem Thema verfasst

(Bild: SRF, besten Dank.)