Sie hat es schon wieder getan. Die SVP hat einen Promi aus dem Hut gezaubert um die Schweiz zu retten. Nach Roger Köppel heisst die Heilsbringerin Magdalena Martullo-Blocher. Ob’s was bringt? Fragen Sie mich nach den Wahlen.

Vorausgeschickt: Diesen Text wollte ich eigentlich schon vor 5 Wochen veröffentlichen, aber er blieb liegen und da ich grade beim Frühjahrsputz bin, muss der jetzt doch noch raus.

Eines muss ich der SVP lassen. Sie schafft es immer wieder auf spektakuläre Art und Weise von sich reden zu machen. Wenn die SVP eine Kandidatur für die Nationalratswahlen verkündet, dann drehen die Medien im roten Bericht und hyperventilieren. So geschehen bei Roger Köppel und unlängst bei Magdalena Martullo (das Blocher lasse ich jetzt weg, da man nur noch einen Nachnamen verwendet). Über beide Personalien hat man schon lange spekuliert und trotzdem reichte es für Sensationsschlagzeilen. In Bezug auf „Aufmerksamkeiterregen“ hat die SVP wieder alles richtig gemacht. Als Mitglied der FDP treibt es mir natürlich Tränen in die Augen ab so viel Medienpräsenz der Konkurrenz. Gut unsere Christa Markwalder ziert aktuell auch die Titelseiten, aber so ist das natürlich nicht gedacht.

 

Weshalb sorgen aber gerade die SVP Kandidaturen für eine solche Aufregung landauf landab?

1. Die Kandidierenden haben Format. Sowohl Roger Köppel, als auch Magdalena Martullo sind keine grauen Hinterbänkler und Mitläufer. Sie waren auch vor Ihrer Kandidatur oft ein Medienthema. Köppel als Herausgeber der Weltwoche, welche mutmasslich das Sprachrohr der SVP ist, und Martullo als erfolgreiche Chefin der Ems Chemie in Graubünden und natürlich als Tochter von Christoph Blocher. Beide haben nie mit ihrer Meinung zurückgehalten und stets Positionen der SVP eingenommen. Es ist etwas unbeholfen und peinlich, wenn man die beiden als „Quereinsteiger“ bezeichnet.

2. Die Kandidierenden polarisieren. Was könnte besseres passieren für die Medien, als dass nach Bekanntwerden einer SVP Kandidatur alles, was links der SVP (und vielleicht der FDP) ist schon prophylaktisch die Hände verwirft. Natürlich weiss in solchen Situationen die ganze Politprominenz jenseits der SVP genau, was gegen die Kandidierenden spricht, welche Leichen sie im Keller haben und weshalb die Schweiz dem Untergang geweiht ist, wenn man Köppel, Martullo und die SVP per se wählt. Ok, umgekehrt ist es natürlich auch so, die SVP ist Meisterin im Verunglimpfen von politisch nicht Gleichgesinnten. Aber das gibt Stimmung im Stadion. Immerhin.

3. Die Kandidaturen haben Schönheitsfehler. Sowohl bei Roger Köppel, als auch bei Magdalena Martullo sind einige Haare in der Suppe auszumachen. Frau Martullo kandiert für den Kanton Graubünden und wohnt in Zürich. Das ist zwar legitim, aber als Bündner will man doch keine Zürcherin für den eigenen Kanton im Nationalrat. Und bei Köppel ist nicht von der Hand zu weisen, dass er als Verleger und Chefredaktor massiven Interessenkonflikten ausgesetzt ist. Berichte über Bundesbern, werden in Zukunft als „nicht glaubwürdig“ katalogisiert. Würde Köppel die Interessen der Verleger in Bern vertreten, dann wäre das noch halb akzeptabel, aber er will ja dem Gedankengut der SVP zum Durchbruch verhelfen. Das beisst sich ziemlich. Ich bin auch schon gespannt, wann dann die ersten Indiskretionen aus Kommissionssitzungen publik werden, vorzugsweise in der Weltwoche. Somit ist also für Gesprächsstoff gesorgt. Die Spannung steigt.

Persönlich bin ich nicht so Fan von solchen Kandidaturen. Einerseits werden Parteimitglieder brüskiert, die schon seit Jahren Basisarbeit gemacht und die Ochsentour absolviert haben, anderseits ist vorauszusehen, dass solche Parlamentarier zwar ihre Schwerpunktthemen besetzten, sonst aber oft im Saal mit Abwesenheit glänzen. Ich habe sowieso ab und zu das Gefühl, dass gewisse Individuen die Parlamentsarbeit nicht so ernst nehmen und nur zur Interessenvertretung oder zu Repräsentationszwecken dort sind.

Man kann aber die SVP bestimmt nicht dafür verantwortlich machen, wenn andere Parteien in Graubünden mehr als magere Listen für die Wahlen zusammenkratzen. Die SVP ist auch nicht verantwortlich für personalpolitische Böcke der BDP, wie z.B. in der Causa Hassler/Kollegger/Campell.

In den nächsten Tagen finden oder fanden nun die grossen Nominationsversanstaltungen der meisten Parteien statt. Wenn dann mal alle Plätze vergeben und die Positionen fixiert sind, werde ich meine Prognose abgeben. Was ich aber jetzt schon prophezeie: BDP und Grünliberale werde es sehr schwer haben und die FDP wird wieder jemand nach Bern schicken dürfen.

Und in der nächsten Folge: Weshalb es Hans-Ulrich Bigler fertig gebracht hat, dass ich nun doch Ja zum neuen Radio- Fernsehgesetz stimme.

(Bildquelle: Aargauerzeitung)

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