Liebe Südostschweiz, auf ein Wort unter vier Augen. Du hast dich ja ziemlich aufgehübscht. Gratulation! Du gefällst mir richtig gut. Aus dem alten Haudegen ist ein richtig bunter Hund geworden. Gut, das mit den Farben hast du nicht erfunden, das macht die Sonntagszeitung ähnlich und gibt jedem Bund eine eigene Farbe, aber du hast ein wenig weiter gedacht. Hut ab. Euer Couturier David Sieber hat einen super Job gemacht und seine „Studienreischen“ haben sich mehr als geloht. Also grafisch habe ich kaum etwas auszusetzen. Sogar das Logo finde ich jetzt gut. Vorher war das ja eher die Variante „erste Gehversuche des 1. Lehrjahrstifts“. Auch das unsägliche „DIE“ ist jetzt weg und man muss nicht mehr schreiben: „Ich habe in der Die Südostschweiz“ gelesen.

 

Fokus auf wirklich Interessantes

Was mich auch sehr überzeugt, ist die regionale Ausrichtung und hier die Fokussierung auf echte Geschichten und weg vom Plunder, den man eh schon auf den Online-Kanälen gesehen hat. Eine Schlagzeile aus Vals „Gemeinde hat eine ausgeglichene Jahresrechnung“ interessiert mich nicht, hingegen „Schlägerei zwischen Zumthor und Stoffel“ schon. Die 0815 Meldungen aus den Gemeinden können durchaus auf der Online-Plattform ihren Platz haben, wenn diese durchdacht ist. In Bezug auf die Erstausgabe ist mir auf der Front „Nur drei Games“ (Bericht über die Niederlage von Belinda Bencic in Australien) aufgefallen. Das hätte meiner Meinung nach hier nicht statt finden dürfen, da die Niederlage schon 24 Stunden alt war und man am Vortag auf allen elektronischen Kanälen über diesen Sachverhalt aufgeklärt wurde. Immerhin wurde im effektiven Bericht etwas Hintergund dazu geliefert. Ansonsten eine gute Zeitung, die Strategie ist erkennbar.

 

Bringen Piktogramme den gewünschten Effekt?

Bei der ganzen Gestaltung fallen mir zwei Dinge auf. Die Südostschweiz Gruppe will ja alle Medien unter den Mantel Südostschweiz packen. Um zu kennzeichnen, um welches Medium es sich handelt, wird mit Piktogrammen gearbeitet. Zu sehen ist das auf der Front vor dem Schriftzug „Südostschweiz“. Die Idee ist mir klar, nur frage ich mich, ob das wirklich den Konsumenten leitet.  Hat er die Zeitung in der Hand, dann muss ich ihm nicht erklären, dass er eine Zeitung in der Hand hat und wenn er Radio hört, dann sieht er sowieso nicht’s. Die Frage stellt sich aber, wenn die Logos auf Drittpublikationen (Flyer, Inserate, Verkaufsunterlagen) abgebildet sind, ob eine Differenzierung für den Nutzer möglich ist, oder ob die Unterscheidungsmerkmale zu gering sind. Ich bin da auf die Umsetzungen gespannt.

Was mir auch aufgefallen ist, bei den verschiedenen Rubriken, wird die Spalte ganz links jeweils unterschiedlich benannt. Bei den Nachrichten heisst sie „Kurznachrichten“, bei der Region „Meine Gemeinde“ beim Sport „Auf einen Blick“, beim Boulevard „News“ und Leben erhält eine Art „Editorial“. Das finde ich nicht ganz konsequent. Eventuell wäre hier eine einheitliche Vorgehensweise, zum Beispiel immer „Kurznachrichten“, leserfreundlicher. Auch nicht plausibel ist, weshalb „Kultur“ keine eigene Rubrik erhält und unter „Leben“ mitläuft. Immerhin sind zwei Seiten für die Kultur reserviert und „Boulevard“ hat mit einer Seite, davon die Hälfte Rätsel, eine eigene Rubrik bekommen.

 

Sport? Zeitung bitte wenden.

Woran ich mich zuerst gewöhnen musst, ist die Platzierung des Sportteils. Wenn ich mich durch das ganze „Leben“ gearbeitet habe, dann kommen Stelleninserate ohne Ende, und bis jetzt war für mich dann der Mist geführt. Aber nein, irgendwann kommt jetzt noch der Sport. Ich bin mir nicht sicher, ob der Leser das versteht, dass man die Zeitung einfach wenden muss und dann den Sport von hinten nach vorne liesst. Ziemlich mutig, aber man muss da sicher open minded an die Sache ran gehen. Das war’s dann aber auch schon mit der mutmasslichen Mängelliste. Weisst du was, liebe Südostschweiz? Ich werde dich abonnieren.

 

Radio Grischa in Radio Südostschweiz ändern? Ein no go!

Liebe Südostschweiz, du bist ja krasss aktiv zur Zeit. Ich schaue aus meinem Büro und sehe, wie dein neues Zuhause am Rossboden immer mehr Gestalt annimmt. Ein wirklich imposannter und schmucker Bau. Und Radio Grischa sendet schon aus den neuen Räumlichkeiten. Beim Thema Radio muss ich nun aber ein ernstes Wort mit dir reden. Du willst per Mitte Februar Radio Grischa in Radio Südostschweiz umtaufen. Als ehemaliger Mitarbeiter, der immerhin acht Jahre lang die Geschicke der Musikredaktion geleitet hat, blutet mir das Herz. Schon in den 90er Jahren wollten die Väter der Südostschweiz diese Schandtat vollziehen. Mit aller Kraft konnten wir dieses Unheil abwenden. Nun wird es trotzdem gemacht. Im Gegensatz zur Zeitung ist das Radio eine mehr oder weniger Graubünden exklusive Geschichte. In Sargans hört man FM1 und vom Walensee her kommen andere Stationen, die relevant sind. Bleibt also Graubünden. Ein Radio lebt sehr stark von Emotionen und von der Identifikation der Hörer. In Graubünden hört man entweder die staatlichen Sender (SRF 1, SRF 3 oder RR) oder „z Radio vo do“. Dieser Namenswechsel bringt ausser Kosten und sinkender Höreridentifikation rein gar nicht’s. Schon DRS 3 wurde zu SRF 3 zwangsumbenannt. Noch heute sagt jeder DRS 3, und kein Mensch kann sich das neue Wording der staatlichen Medien einprägen. Man schaut den Schweizer, den Tessiner oder hört DRS 3. Basta. Radio Grischa ist eine starke Marke hier im Kanton, mit einer guten Hörerbindung. In einem Konzern müssen die Marken gepflegt und dürfen nicht leichtfertig verändert werden. Das Produkt muss die Marke sein und nicht das Mutterhaus. Passend dazu habe ich gerade heute einen interessanten Beitrag auf wiwo.de gelesen. Der Entscheid ist aber gefällt, und ich hoffe, sehr, dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten.

 

Digital mit Potential

Und dann mache ich mir noch Sorgen um deinen Internetauftritt, liebe Südostschweiz. Der wird sicher auch neu. Ich hoffe es sehr. Und ich hoffe, er wird gut, auch so innovativ, wie die Zeitung. Jetzt ist das ja kaum auszuhalten dort. Unübersichtlich, langsame Ladezeiten, ein Durchenander sind nur einige Dinge, die mir spontan in den Sinn kommen.  Gerade durch die Tatsache, dass Zeitung(en), Radio und Fernsehen in einem Haus gemacht werden, könnte Content viel spannender, informativer und übersichtlicher angeboten werden. Ich habe da so viele Ideen, wie das aussehen könnte. Hier ist der Platz einfach zu knapp um darauf im Detail einzugehen.

 

So, ich muss jetzt die Südostschweiz abonnieren

Liebe Südostschweiz, ich habe nun fertig gelästert. Ich bin ja eigentlich sehr zufrieden mit dir. Ich bin happy, dass wir überhaupt eigenständige Medien in Graubünden haben. Da hat sich Hanspeter Lebrument zusammen mit den Machern der Medien hartnäckig gezeigt gegen fremde Fötzel. Mich hat der „Lö“ auch schon aufgeregt, aber das ist doch unbedeutend im Vergleich zu seinem Einsatz für die freie Presse hier und die Sicherstellung von Arbeitsplätzen.

Ich wünsche dir, liebe Südostschweiz viel Erfolg mit deinen Projekten und in erster Linie viele spannende und relevante Geschichten.

 

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