Der Treffpunkt Hauptbahnhof in Zürich ist eine Augenweide, ein Festival der Alltagsunterhaltung. Gäbe es dort eine Tribühne, ich würde ein Saisonabo kaufen. Als fleissiger ÖV Benützer bin ich natürlich bestens mit den Begebenheiten im HB Zürich vertraut, und so greife ich auch sehr gerne auf den offiziellen Treffpunkt für Dates zurück. Gerade neulich hatte ich wieder das Vergnügen, einige Minuten Kommen und Gehen zu beobachten.

Man sieht ja alles am Treffpunkt Hauptbahnhof, was man sehen will und was man nicht sehen will. Zuerst wurde ich von einem übereifrigen „Banker“ mit Gepäck beinahe über den Haufen gerannt. Er war sichtlich im Stress und musste noch ein Billett kaufen. Natürlich war kein Automat frei und so tänzelte er von Gerät zu Gerät um immer wieder in der falschen Reihe zu stehen. Herrlich sage ich euch. Nachdem er sich dann an einem Automaten vorgedrängt hatte, versuchte er sein Ticket zu lösen. Natürlich hat der beim Bezahlen zuerst den falschen Code seiner EC-Karte eingetippt, um dann zu merken, dass er das falsche Ticket gelöst hat. Also noch ein Versuch und Spurt Richtung Zug. Wahrscheinlich ist er unterwegs einem Herzinfarkt erlegen.

Die im roten Kleid wartete sicher vergebens

Eine stand da, eine im roten Kleid. Und sie wartete. Auf wen weiss ich nicht. Wahrscheinlich ein Blinddate. Warum Blinddate? So, wie sie guckte, wusste sie kaum, auf wen sie wartete. Er hiess sicher Franz. Sie tat mir richtig leid, dann nach 20 Minuten stand sie immer noch da und guckte ganz traurig. Nein, ich konnte nicht helfen, ich hatte ja schon selber ein Date.

Nun hat es am Treffpunkt Hauptbahnhof in Zürich auch lusche Gestalten. Nebst einigen Dealern, die den Teenies Tütchen verkauften, liessen mich in erster Linie ein paar Ultras (sie sahen mindestens so aus) erschaudern. Die waren auf Zoff aus und verabredeten sich zum Prügeln. Bestimmt.

Auch beliebt am Treffpunkt sind Energy-Drinks in Dosen. Das muss man dort trinken. Speziell, wenn man auf den Steinbänkchen sitzt und die Zeit vertrödelt. Herrlich anzuschauen, wie Jugendliche hier rumlümmeln, rumflirten, sich aufspielen. Alles ausgefuchste Schauspieler.

Unbezahlbar auch die Mienen der Leute, die immer wieder genervt auf die Uhr schauen und merken: Meine Verabredung ist schon längst überfällig. Je länger es dauert, desto mehr wird von einem Fuss auf den Anderen gewippt. Man schaut sich um, immer wieder auf die Uhr. Ich finde es einfach nur herrlich.

 

Modesünden am laufenden Band

Es hat hat auch sie am Treffpunkt. Menschen, die Modetrends setzten wollen. Leider keine Massentauglichen. Ich weiss, man soll die Leuten nicht nach ihrer Kleidung nach beurteilen. Aber Freunde, meine Augen ertragen auch nur ein gewisses Mass an zu engen Leggins in zu grossen Schenkel. Und die Farbkombinationen Grün mit Versager-Beige ist jetzt nun wirklich nicht catwalktauglich. Wieso gibt es Leute, die sich so hässlich kleiden? Auch wenn der Sommer Scheisse war, Ugg’s sind für den Winter und nicht für Schön. Ich habe ja auch ein Ränzchen und ziehe dann ein Hemd in passender Grüsse an und nicht ein Netzleibchen. Also bitte!

Alles in Allem ist der Besuch des Treffpunkt Hauptbahnhof immer eine Reise nach Zürich wert. So ein halbes Stündchen sollte man einplanen, um die ganten Facetten des Treibens dort aufzunehmen.

Hab ich euch eigentlich schon erzählt, dass ich ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs ein tolles Restaurant gefunden habe, das durch Mark und Bein geht? Nicht? Dann mache ich das nächstes Mal.

 

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