Es ist zum Trendsport geworden: SRF Bashing. Gerade in den letzten Tagen konnte man es wieder mitverfolgen. Die Öffentlichrechtliche wird von den Privaten unter Dauerbeschuss genommen. Unser Staatsfernsehen und oft auch die Radiostationen werden für jeden Mux aufs heftigste kritisiert. Egal ob es die Frisur von Steffi Buchli oder das Kleidchen von Cecile Bähler ist, man muss draufhauen, ob das nun relevant ist oder auch nicht. An der Qualität wird rumgenörgelt, an den Kosten, am Konzept und wenn sonst nicht’s ansteht, dann an anderem Brunz, den eigentlich niemanden interessieren würde, wäre es nicht zum grossen Thema heraufbeschworen worden. Neustes Beispiel: „Mini Beiz, dini Beiz“ wird von Deutschen produziert.Das SRF hat sich im letzten Herbst auf die Suche nach neuen Formaten für den Vorabend gemacht. Dabei haben 11 Firmen gegen 60 Konzepte für Sendeformate eingereicht. Das Schweizer Fernsehen hat nun entschieden, dass sie mit „Mini Beiz, dini Beiz“ ein neues Format ausprobieren wollen. Produziert werden die Sendungen durch die Firma ITV Studios Germany. ITV Studios Germany ist eine der innovativsten und erfolgreichsten Produktionsfirmen der letzten Jahre in Deutschland. Nun werden Mitarbeiter für die neue Sendung in der Schweiz gesucht, die Land und Leute kennen. Ideal ist, wenn diese zukünftigen Mitarbeiter Schweizerdeutsch reden.

Und jetzt geht es los. Kaum kommuniziert das SRF etwas (ab und zu auch nicht) werden die Messer gewetzt. Jetzt stellt man fest, dass Schweizer gesucht werden, die für eine Deutsche Firma arbeiten sollen. Womöglich zu Deutschen Löhnen. Das SRF produziert als0 nicht selber. Bestes Futter um einen Skandal zu konstruieren. Wer könnte sich aber entrüsten?  Sicher mal die Schweizer Filmindustrie. Und wie immer, wenn es um das SRF und Gebührengelder geht, steht Natalie Rickli (SVP) an vorderster Front. Als Mitarbeiterin der Goldbach Media Group ist sie bei einer wesentlichen Konkurrenz des SRF angestellt, und es ist verständlich, dass sie solche Gelegenheiten nutzt, um gegen die Billag Stimmung zu machen.

Wenn nun mal der Schlitten Fahrt aufnimmt, oder der Shitstorm zu blasen beginnt. Dann werden Fakten verdreht, es wird Unsinn behauptet und am Ende hat man tatsächlich das Gefühl: Dieses „Mini Beiz, dini Beiz“ und das ganze SRF sowieso isch ein Seich.

Dem ist aber nicht so, denn ausnahmsweise war ich zum Teil in dieses Projekt involviert. Im letzten Herbst haben die ITV Studios Germany in der Schweiz Pilotsendungen produziert. Durch einen Freund, der bei dieser Firma arbeitet, habe ich von von der Idee erfahren und mich für den Dreh des Pilots zur Verfügung gestellt. Der Pilot wurde hergestellt, ohne zu wissen, ob das SRF als Auftraggeberin die Sendung kaufen wird oder nicht. Wir haben also Vollgas gegeben bei diesem Dreh, und es hat sich gelohnt. Das SRF hat sich für „Mini Beiz, dini Beiz“ entschieden. Die Idee, das Konzept und die Kosten haben überzeugt. Leider kann ich hier nicht mehr Interna ausplaudern, denn es gibt bei solchen Sendungen immer eine Klausel „Schweigepflicht“, und das ist auch gut so.

Immerhin kann ich folgendes verraten. Das Format entspricht sehr wohl dem Gedanken des Service public. Es werden nämlich Restaurationsbetriebe und Menschen aus der ganzen Deutschschweiz zum Zug kommen. Der Zuschauer wird einen Einblick in die vielfältige Szene der Gastronomie erhalten und ganz unterschiedliche Schweizerinnen und Schweizer kennen lernen.

Im Gegensatz zum „Restaurant-Tester“ ist „Mini Beiz, dini Beiz“ ein positives Format. Es geht darum Freunde kulinarisch zu verwöhnen und nicht um Mängel in der Küche aufzudecken. Es wird also Freude machen das zu sehen und vielleicht auch selber mit zu machen.

Meines Wissens sind die Jobs nicht so schlecht bezahlt, wie überall behauptet wird. Sicher wird da niemand zum Praktikantenlohn arbeiten müssen, wenn er die entsprechende Ausbildung und Erfahrung hat. Mein Kollege, der bei den ITV Studios arbeitet hat seine „Auslandkarriere“ in Berlin beim Spree Radio begonnen und Schritt für Schritt Karriere gemacht. Wer also im internationalen TV-Geschäft eine Rolle spielen will, muss sich auch mal für einige Zeit mit etwas Weniger zufrieden geben. Und gezwungen wird ja sowieso niemand im Ausland zu arbeiten.

Man wirft dem SRF immer wieder vor, es würde das Geld zum Fenster hinaus werfen. Will man dann aber kostenbewusst produzieren, und das ist im Ausland leider günstiger, als in der Schweiz, wird gestänkert. Ich möchte ja nicht wissen, wer von all den Kritikern sich nicht regelmässig über der Grenze günstig mit Waren eindeckt. Und als das SRF in Sotschi die Skirennen produzierte, hat sich auch nicht halb Russland darüber aufgeregt, dass da Ausländer zum Zug kommen.

Nebst dem finanziellen Aspekt hat die externe Produktion aber sicher auch qualitative Gründe. Die ITV Studios Germany kennen das Format, da sie es entwickelt haben. Sie sind es gewohnt ein Format über längere Zeit konsequent in hoher Qualität zu produzieren, „Das perfekte Dinner“ läuft z.B. schon seit Jahren erfolgreich.

Aufregung ist also aktuell mehr als unangebracht. Ich empfehle also: Macht euch ein Bild von der fertigen Sendung und dann kann allenfalls Kritik angebracht werden.

> Wer sich für einen Job bei „Mini Beiz, dini Beiz“ interessiert, kann sich HIER bewerben.
> Wer als KandidatIn in der Sendung „Mini Beiz, dini Beiz“ mitmachen will, kann sich HIER bewerben.

Und HIER noch ein Link zu einer typischen Berichterstattung, wie ich sie oben beschrieben habe.

 

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