Was war ein wahrlich historisches Wochende. Oder doch eher ein hysterisches? Fedrinka haben den Davis-Cup im Tennis gewonnen und der mutmasslich grösste Fleischskandal in der Bündner Geschichte wurde aufgedeckt. Da war an einen erholsamen Sonntag nicht zu denken.

Ich liebe gemütliche Sonntage. So mit Brunch, Zeitungen,  einem guten Buch, einem Bad, einem spannenden Film. Das mit dem Brunch hat ja noch geklappt, aber spätestens bei der Lektüre des Sonntagsblick war fertig lustig. Da steht doch „Der grosse Fleischbetrug“, „Fedrinka, wir lieben euch“ und „Kein Stress mehr“. Während die letzte, schon lange ausgelutschte Schlagzeile auf einen Bericht über den Rapper Stress hinwies, dachte ich mir noch: „nö, ich liebe Fedrinka nicht.“ Ich finde sie ja super, aber ich liebe meine Familie und solche die es vielleicht werden könnten, aber sicher nicht zwei Tennisspieler. Natürlich habe ich den beiden den Daumen gedrückt und Fingernägel kauend vor dem TV die Spiele verfolgt. Ich bin ja Patriot.

 

Und wieder wiehert das Rind.

Bei der Fleisch-Betrugs-Headline wollte ich schon grosszügig darüber hinweg blättern, meine Vermutung tendierte zu einem Bericht über immer noch Pferd in der Lasagne. Doch dann oh Schreck. Es geht um eine Bündner Firma. Sie hat angeblich gemauschelt, umetikettiert und  … jetzt kommt es trotzdem … Pferd statt Rind verkauft. Das Filet hat gewiehert statt gemuht und das Huhn ungarisch statt schweizerdeutsch gegackert. Beim Schwein ist die Sauerei am geringsten, macht es den Anschein. Jetzt haben wir den Salat, auch wenn er nur Beilage ist.

Man kann sich schon fragen, weshalb macht das eine Firma? Ist das Risiko so klein, dass man da nicht erwischt wird und so etwas mehr Marge erwirtschaftet oder ist der Konkurrenzkampf so gross, dass jeder den anderen preislich unterbieten muss damit man im Rennen bleibt? Sind wir Kunden allenfalls auch mitschuldig, dass man als Firma so eine Betrügerei überhaupt in Betracht zieht?  Mein Gespühr sagt mir, wir sind mitschuldig. Wir haben uns von „Geiz ist geil“ anstecken lassen. Alles muss immer billiger sein, Schnäppchenjagd ist Nationalsport Nummer eins geworden. Und dann wundern wir uns, dass findige Manager auf die Idee kommen, dass wenn die Marge aufgebraucht ist, man ja an der Qualität etwas sparen könnte. Da lebt dann der 50 Zoll Ultra HD Flat TV nur noch zwei Jahre und nicht mehr ein Leben lang, oder das Poulet hat ungarischen Migrationshintergrund. Und damit will ich jetzt die Übeltäter überhaupt nicht in Schutz nehmen. Denen gehört eine gehörige Tracht Prügel. Aber vielleicht müssen wir uns auch selber einen Tritt in den Hintern geben, um wieder etwas Vernunft anzunehmen.

 

Kauf Fleisch beim Metzger, den du kennst und der das Tier kennt, das du kaufst.

Ich kaufe mein Fleisch beim Metzger und das Brot beim Bäcker. Natürlich gibt es auch hin und wieder einen Abstecher in den Grossverteiler, aber das ist eher die Ausnahme. Normal gehe ich in die Metzgerei Mark, für die Milchprodukte in den Plankisladen und das Brot kaufe ich bei diversen Bäckern in der Stadt. Da fühle ich mich gut beraten, bekomme eine überdurchschnittliche Qualität und helfe mit, dass auch kleine Läden eine Existenz haben.

Ich hatte in der letzte Zeit einige Gelegenheiten gutes Fleisch zu essen. Und jedes mal folgte der Beweis. Es ist geschmacklich einfach ein Unterschied, ob du ein tolles Stück Rind auf dem Teller hast, dass artgerecht gehalten wurde und schön abgehangen ist, oder ob du eine Schuhsole aus Massenzucht auf dem Teller hast. Bei Variante eins recht Salz und Pfeffer, wenn überhaupt, bei Variante zwei brauchst du mindestens einen halben Liter Sauce, damit es nach Etwas schmeckt.

Wenn also der Preis vor der Qualität kommt, dann werde wir in regelmässigen Abständen über solche Skandale und Machenschaften lesen. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Und das wären wir beim Messwein oder generell beim Wein. Aktuell überbieten sich ja die Grossverteiler und Discounter mit Aktionen, Tiefpreisen und Rabatten. Wetten, dass hier der nächste Lebensmittelskandal in Vorbereitung ist. Ich sehe schon die Schlagzeile: Wein gepanscht: Kein Amore im Amarone! Noch etwas länger wird es dauern, bis man feststellen wird, dass es in den Baslerläckerli keine Basler sondern Blocher drin hat.

Übrigens … kann mir mal jemand erklären, was Gilbert Gress in diesem Migros Weihnachst-Lied-Video verloren hat?

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